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Schattenarbeit — Stell dich deiner Dunkelheit

«Shadow work means: You know that those things are there that you have to battle with on a daily basis continuously. And consciously, in the moment, make the decision to chose to do better than your former self - that’s who you’re competing with. It’s nothing external to the self, it’s within. That’s the true alchemical shadow work.»

—  Unbekannt

Im Rahmen der zuletzt veröffentlichten Blogbeiträge zum Thema ‚Inneres Kind‘ und den Methoden der Hypnose und des hawaiianischen Vergebungsrituals namens Ho’oponopono, die unter anderem auch auf die Bearbeitung und Heilung des verletzten inneren Kindes abzielen, fiel immer wieder der Begriff ‚Schattenarbeit‘. Generell ist ‚Schattenarbeit’ seit einiger Zeit in aller Munde, wenn es um Persönlichkeitsentwicklung geht, weshalb hiermit die Hintergründe beleuchtet werden sollen, sodass der Begriff etwas an Schwammigkeit verliert und ihm die Relevanz beigemessen wird, die er verdient. Zwar können Hypnose und Ho’oponopono ebenso eine Art der Schattenarbeit darstellen, doch umfasst Schattenarbeit noch weitaus mehr, weshalb sich eine weitergehende Erkundung mit Sicherheit lohnt. Schlussendlich ist das Ziel dieses Beitrages aufzuzeigen, dass Schattenarbeit einen enorm wichtigen Schritt im Rahmen der persönlichen Entwicklung und Potenzialentfaltung eines jeden Menschen darstellt, und dazu zu motivieren, sich alsbald der Arbeit mit den eigenen Schatten zu widmen.


Was ist Schattenarbeit?

Es gibt keine allgemein gültige Definition für Schattenarbeit. Daher gilt es vielmehr zu verstehen, was Schattenarbeit ist, um eine sinnvolle und treffende Erklärung darbieten zu können. Schattenarbeit kann als Sammelbegriff für jedwede Technik oder Methode bezeichnet werden, welche darauf abzielt, sich mit allen Anteilen der eigenen Persönlichkeit auseinanderzusetzen, um persönliches Wachstum zu erreichen. Dabei wird sich auch und vor allem den Persönlichkeitsanteilen gewidmet und entgegengestellt, die man selbst als unangenehm, schmerzvoll oder beschämend wahrnimmt bzw. von dessen Existenz man nichts weiß oder die sich unserem Bewusstsein größtenteils entziehen. Diese Anteile in uns werden als Schatten bezeichnet. Der Schatten ist demnach jeder Aspekt unserer Persönlichkeit, der nicht dem Licht unseres eigenen Bewusstseins ausgesetzt ist. Wie in unserer dreiteiligen Blogserie zum Thema ‚Inneres Kind‘ erläutert wurde (Teil 1 findest du hier), kann angenommen werden, dass Zurückweisung, Liebesentzug, Verlassenwerden und sonstige Traumata im Kindesalter dazu führen, dass bestimmte Persönlichkeitsanteile abgespalten und somit in den Tiefen unseres Unterbewusstseins begraben werden und verloren gehen. Aus diesem Grund haben praktisch alle erwachsenen Menschen in irgend einer Form und Ausprägung emotionale Wunden, die ihr Sein prägend beeinflussen — sie sind unvollständig in dem Sinne, dass Teile in ihnen stecken, die nicht in das Gesamtbild der Persönlichkeit integriert sind. Dies dürfte wohl eine der Hauptursachen für das Auftreten all jener von uns als negativ bezeichneten Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen sein, die in Lug und Betrug, toxischen Beziehungen, Gewaltakten, Kontrollsucht und vielem mehr enden. Diese Zustände werden zurecht als nicht wünschenswert eingestuft, weil sie einem liebevollen Miteinander und persönlichem Wachstum im Wege stehen, weshalb der Bearbeitung der Ursachen eine hohe Priorität eingeräumt werden sollte.


Darum: Schatten-Arbeit

Der Begriff ‚Schatten‘ ist für diese emotionale Dynamik sehr treffend gewählt, da ein Schatten etwas Schwammiges ist, von dem man lediglich die Konturen erkennt — mal mehr und mal weniger trennscharf. Es ist zudem häufig schwierig, auf das dahinterstehende Ganze zu schließen, weil essenzielle Teile — diejenigen, die den Schatten werfen — sich dem Sichtfeld entziehen. Dieser für den Schatten ursächliche Teil kann bei alleiniger Betrachtung des Schattens außerdem bis zur Unkenntlichkeit verzerrt sein. Ein Schatten ist dunkel; Dunkelheit steht für Verborgenes und kann Angst bereiten. Der Schatten als solcher ist häufig weitaus furchteinflößender als das ursächliche Objekt, da er sehr wenige Aspekte bietet, anhand derer man seine Natur identifizieren kann. Und je weiter das ursächliche Objekt vom Licht, sprich vom Bewusstsein, entfernt ist, desto größer und schemenhafter wird die Erscheinungsform des Schattens. Erst, wenn man der Ursache auf die Schliche kommt, verliert ein Schatten seine potenziell bedrohliche Eigenschaft. Und genau dieses Ergründen geschieht nicht von alleine, sondern bedarf des proaktiven Handelns desjenigen, der den Schatten entzaubern möchte. Daher heißt es Schattenarbeit: Die Identifikation der Ursachen des Schattens fallen einem nicht in den Schoß, weil es Hürden zu überwinden und die Komfortzone zu verlassen gilt. Der Schattenarbeitende muss aktiv werden und Handlungen durchführen, dabei häufig seine abscheulichsten Persönlichkeitseigenschaften ergründen und sich all dem entgegenstellen, was ihn selbst und andere abstößt — das Unangenehme, das Peinliche, das Beschämende, das Schmerzhafte, das vermeintlich Hoffnungslose.


Aller Anfang ist schwer, aber…

Das mag jetzt erst einmal überaus abschreckend wirken und so gar nicht nach angenehmer Persönlichkeitsentwicklung klingen. Doch seien wir mal ehrlich: Was von dem, das uns wirklich bedeutend voranbringt, ist schon ausschließlich angenehm? Eigentlich sehr wenig, vieles ist sogar ziemlich herausfordernd und durchaus auch unangenehm oder gar schmerzhaft — in jedem Fall braucht es eine Menge Disziplin und ein ausreichend großes ‚Warum‘. Dies ist letztlich auch der Grund dafür, dass die meisten Menschen leider herzlich wenig Kraft in ihre persönliche Schattenarbeit investieren: Es ist unbequem — vor allem anfangs. Dabei nimmt die notwendige Anstrengung ab, wenn man den Stein erst einmal ins Rollen gebracht hat. Das kann jeder bestätigen, der eine neue Routine erfolgreich in den Alltag implementiert hat. Doch vor allem die Belohnung für disziplinierte Schattenarbeit rechtfertigt alle Mühen, die damit streckenweise einhergehen mögen. Denn früher oder später erfährt man (bestenfalls) ein Gefühl von Erfüllung, Ganzheit, Selbstwirksamkeit, Freiheit und Liebe. Alles Gute braucht Arbeit, daher sollte Arbeit als etwas grundlegend Positives verstanden werden! Kaum etwas ist erfüllender, als darauf hinzuarbeiten, besser dazustehen als anfangs und an diesem Prozess zu wachsen — vor allem, wenn das Ergebnis so gewinnbringend ist wie bei der Schattenarbeit.


Viele Wege führen zum Ziel

Wie also geht Schattenarbeit, was braucht es, was muss man tun? Glücklicherweise gibt es darauf sehr viele Antworten, weshalb die vorangegangenen Sätzen wohl etwas an Schwere verlieren dürften. Es ist auch eine der hauptsächlichen Absichten dieses Blogbeitrages aufzuzeigen, dass Schattenarbeit sehr vielfältig ist und quasi jeder einen Weg finden kann, wie er mit seinen belastenden Persönlichkeitsanteilen umgehen und diese transformieren kann. Vorab sei nochmal auf den Punkt zu bringen, worauf Schattenarbeit abzielt: Sie beabsichtigt die Identifikation von und anschließende Konfrontation mit und Transformation von Persönlichkeitsanteilen, also Emotionen, Charaktereigenschaften, Verhaltensweisen und Gewohnheiten, welche einem selbst und anderen Schaden zufügen und dem Wachstum und Werten wie Liebe, Freiheit und Wahrheit im Wege stehen. Vor diesem Hintergrund lassen sich viele Methoden aufzählen, die diesen Zweck erfüllen (können). Auf alle erschöpfend einzugehen würde jedoch den Rahmen sprengen, weshalb dies Stoff für separate Beiträge in unserem Blog bietet. 

Allen voran gilt es, mit sich selbst zu sein — im Stillen, ohne Zeitdruck und ohne externe Einflüsse. In diesem Rahmen gibt man sich den Raum, die eigenen Gefühle wahrzunehmen, denn diese Wahrnehmung wird nur allzu oft betäubt durch den alltäglichen Dauerstress und äußere Ablenkungen zahlloser Art. Das alleine dürfte für viele schon ein sehr bewegendes Erlebnis sein. Es ist sodann möglich, in den Dialog mit sich selbst zu treten. Dies kann sowohl im Kopf als auch verbalisiert geschehen, wenn nicht gar in schriftlicher Form. Es lassen sich Fragen stellen wie „Was will ich“, „Wer bin ich“, „Wie fühle ich mich“, „Warum mache ich dieses und jenes (nicht)“, „Was erachte ich als richtig oder falsch“ — der Kreativität und Neugierde sind natürlich keine Grenzen gesetzt. Am wichtigsten ist, dass man diesen Raum nutzt, um bedingungslos ehrlich sich selbst gegenüber zu sein. Denn die wahre Schattenarbeit beginnt damit, etwas zu unterlassen: sich selbst zu belügen. Man kann diese Zeit mit sich auch in der Natur verbringen, die zugleich Lehrmeister ist, energetisch ausgleicht, wie auch Ruhe für Innenschau bietet. Eine weitere Möglichkeit der Innenschau ist die Selbst-Konfrontation vor dem Spiegel: Wer sich nicht vorstellen kann, inwiefern das hilft, der sollte sich mal eine halbe Stunde in die eigenen Augen sehen. Nicht umsonst pflegt man zu sagen: „Ich möchte noch in den Spiegel schauen können“. Kannst du es? Probiere es aus. Der Dialog muss natürlich nicht (nur) mit sich selbst stattfinden, sondern kann ebensogut mit anderen Menschen geführt werden. Wirklich ehrliche und tiefgehende Gespräche können eine große Rolle in der Schattenarbeit spielen. Diese Auseinandersetzung mit den Meinungen und der Gedankenwelt anderer kann auch auf indirektem Wege geschehen, und zwar durch das Lesen von Büchern, was bekanntermaßen das eigene Denken mit jedem Satz potenziell an seine Grenzen bringen und neue Horizonte eröffnen und Denkanstöße geben kann. Weitere Methoden, die unterbewussten Aspekte der Persönlichkeit dem Licht auszusetzen, sind Emotional Freedom Technique (EFT, eine Klopfmethode zur energetischen Stimulierung des Körpers), Meditation, rhythmisches Musizieren (z.B. mit Trommeln), psychedelische Erfahrungen oder Atemtechniken, wie das Holotrope Atmen, welche durch das Anreichern des Blutes mit Sauerstoff Dynamiken in Gang setzt, die dem Anwender den Zugang zu Emotionen des Unterbewusstseins ermöglichen. 


Überwinde die Angst und übernimm Verantwortung

Man muss also, wie sich zeigt, kein Eingeweihter bestimmter Mysterienschulen sein, um erfolgreiche Schattenarbeit zu betreiben. Ganz im Gegenteil: Es gibt für jeden Menschen Wege, die eigenen Schattenseiten erfolgreich zu bearbeiten. Dieser Weg mag sich in Länge und Unannehmlichkeit zwar unterscheiden, doch jeder, der in der Lage ist, sich einer der zuvor genannten (oder anderer) Methoden zu bedienen, kann und wird Erfolge erzielen, wenn dieser Weg aufrichtig bejaht wird. Es kann nicht oft genug betont werden, dass in jedem Fall der erste Schritt in die richtige Richtung sein muss: Hör auf, dich selbst und andere zu belügen. Alles, was auf Unwahrheiten aufbaut, ist auf Kurz oder Lang zum Scheitern verurteilt. Der Schattenarbeit steht daher neben Bequemlichkeit am öftesten die Angst davor im Wege, der Realität ins Auge zu blicken — auch und vor allem der Realität über sich selbst. Halte dir vor Augen, welche positiven Dynamiken dein Leben annimmt, wenn du diese Angst überwinden kannst. 

Wahre Schattenarbeit ist letztlich die Übernahme von Verantwortung! Es sind nicht immer alle anderen Schuld. Zwar liegt die Verantwortlichkeit für unsere Kindheitstraumata bei anderen Menschen, doch Heilung, Wachstum und Fortschritt liegen in unserem eigenen Verantwortungsbereich. Zudem darf und soll durchaus Selbstkritik geübt werden. Es führt kein Weg daran vorbei, seine eigenen Unzulänglichkeiten zu identifizieren und zu bearbeiten. Und ja, es gibt so etwas wie Unzulänglichkeiten oder schlechtes Verhalten — das darf ruhig anerkannt werden, sollte jedoch nicht in Selbstgeißelung münden. Wenn du bspw. siehst, dass du dir Dinge zurechtbiegst und somit unehrlich dir selbst gegenüber bist, oder aber andere Menschen anlügst, dann ist das destruktives Verhalten, welches unterlassen werden sollte, weil es die Dinge für alle Beteiligten nur verschlechtert. Traumata dürfen nicht als Entschuldigung herangezogen werden. Es geht nur über Weg der Eigenverantwortung, wenn du die Kontrolle über dich und deinen Lebensweg innehaben möchtest.

Schattenarbeit hat also, wie der Name schon andeutet, mit den eher düsteren Seiten deiner Persönlichkeit zu tun. Aber: Ohne Licht (Liebe) kann es kein Schatten geben. Daher wird die Schattenarbeit einen großen Lohn für dich bereithalten, wenn du sie geduldig betreibst. Erkunde also dein Inneres mit vollster Hingabe und radikaler Ehrlichkeit, probiere dich bspw. in einigen der zuvor genannten Methoden und gib nicht auf, wenn es unangenehm oder anstrengend wird. Denn deine kindlichen Wunden zu heilen und den Ballast aus deinem früheren Leben loszuwerden macht dich frei für das Meistern von künftigen Herausforderungen, an denen du weiter wachsen und somit dein wertvolles Potenzial entfalten kannst.

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